Die Teufelswette I 

Die Teufelswette I

Wasserspeier in Teufelsgestalt

Als in Köln der alte Dom durch einen herrlicheren ersetzt werden sollte, wurde Meister Gerhard von Ryle, der in Frankreich die Baukunst der Kathedralen studiert hatte, beauftragt innerhalb eines Jahres einen Bauplan vorzulegen. Gutgelaunt ging er ans Werk, doch so oft er sich sicher war, nunmehr einen durchführbaren Plan gefunden zu haben, taten sich neue Probleme auf. Schließlich verzweifelte er. Eines Tages, als er auf der anderen Rheinseite spazieren ging, schlief er über all seinen Sorgen an einem großen Felsbrocken, der unter den Bürgern nur der "Teufelsstein" genannt wurde, ein.

 

Als Meister Gerhard erwachte, stand vor ihm ein Fremder, der gekleidet war wie die französischen Bauleute. Der Fremde begann mit einem Stock die Linien eines Baurisses in den Sand zu zeichnen, in dem Gerhard unschwer den vollendeten Bauplan zum Dom erkannte. Erstaunt fragte Gerhard den Fremden, was er ihm für diesen Plan bezahlen müsse. Die Antwort lautete: 'Ich will Dich und wenn du Frau und Kind noch hinzufügst, helfe ich dir, diesen Bau in drei Jahren zu errichten. Wenn ich aber den Bau beim ersten Hahnenschrei am Ende der letzten Nacht nicht vollendet habe, seid ihr frei.' Nicht einmal der Teufel kann ein so gewaltiges Bauwerk innerhalb dieser Frist errichten, dachte Meister Gerhard und ging den Pakt ein.

 

Die Arbeit an der Dombaustelle schritt in nie da gewesener Weise voran. Bei Tag und Nacht erklang der Baulärm, doch der Dombaumeister wurde immer wunderlicher. Schon bald munkelte man, es ginge auf der Baustelle nicht mit rechten Dingen zu. Dies hörte auch die Frau des Dombaumeisters. Auf ihre bange Frage, was an den Gerüchten wahr sei, berichtete Meister Gerhard ihr von dem unheilvollen Pakt. Verzweifelt suchte die Frau nach einem Ausweg.

Als sie eines Tages mit ihrem Sohn zum Markt ging, wies das Kind auf einen prächtigen Hahn und versuchte dessen Schrei nachzuahmen. Überglücklich schloss die kluge Frau das Kind in die Arme, denn der Ausweg aus der verzweifelten Lage war gefunden. Fortan übte sie zu Hause so lange den Hahnenschrei bis ihr die Hähne aus der ganzen Nachbarschaft antworteten.

 

Die letzte Nacht des dritten Jahres war angebrochen, da betete die Frau des Dombaumeisters zu Gott um Errettung und mit dem ersten Morgengrauen, als eben die letzte Turmspitze zum Dom emporgezogen wurde, stieß sie ihren Hahnenschrei aus und von allen Seiten antworteten laut die Hähne der Nachbarschaft. Mit ungeheurem Getöse fiel der Dom in sich zusammen. Der Baumeister und seine Familie aber waren gerettet.

Der Dom jedoch wurde erst Jahrhunderte später vollendet.


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